„20 % Eigenkapital" ist die Faustregel, die jeder kennt. Aber was bedeutet das konkret? 20 % wovon? Kaufpreis? Gesamtbedarf? Und was ist mit den Nebenkosten? Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie den tatsächlichen Eigenkapitalbedarf für Ihren Immobilienkauf berechnen – und welche Fehler die meisten Erstkaüfer dabei machen.

Die Formel: So berechnen Sie den Eigenkapitalbedarf

Schritt 1: Gesamtbedarf = Kaufpreis + Kaufnebenkosten (8–15 %)
Schritt 2: Eigenkapitalquote = Eigenkapital ÷ Gesamtbedarf × 100
Ziel: Mindestens 20 % Eigenkapitalquote (besser 25–30 %)

Rechenbeispiel: Eigenkapitalbedarf 2026

📊 Beispielrechnung: ETW in Hannover, 250.000 €

  • Kaufpreis: 250.000 €
  • Grunderwerbsteuer NI (5 %): 12.500 €
  • Notar & Grundbuch (2 %): 5.000 €
  • Maklerprovision (3,57 % / 2): 4.463 €
  • Gesamtbedarf: 271.963 €
  • Benötigtes Eigenkapital (20 %): 54.393 €
  • Benötigtes Eigenkapital (25 %): 67.991 €
  • Darlehen bei 20 % EK: 217.570 €

Wichtig: Die Kaufnebenkosten von 21.963 € müssen fast immer aus Eigenkapital bezahlt werden – Banken finanzieren diese Kosten in der Regel nicht mit. Das bedeutet: Von Ihren 54.000 € Eigenkapital gehen bereits 22.000 € für Nebenkosten drauf. Für den Kaufpreisanteil bleiben nur noch 32.000 €.

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Käuferseite 3,57 % inkl. MwSt. (seit 2020 Halbteilung)

Kaufpreis 300.000 €
Grunderwerbsteuer (6,5 %) 19.500 €
Notar & Grundbuch (ca. 2 %) 6.000 €
Maklerprovision (3,57 %) 10.710 €
Kaufnebenkosten gesamt 36.210 €
Gesamtbedarf 336.210 €

10,8 % des Gesamtbedarfs

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Weiter lesen: Vollständiger Kaufnebenkosten-Leitfaden mit Bundesland-Tabelle →

Kaufnebenkosten nach Bundesland

Die Grunderwerbsteuer variiert stark je nach Bundesland – das hat großen Einfluss auf den Eigenkapitalbedarf:

🗺️ Grunderwerbsteuer nach Bundesland 2026

  • Bayern, Sachsen: 3,5 % (Günstigster Steuersatz)
  • Hamburg: 4,5 %
  • Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt: 5,0 %
  • Berlin, Hessen: 6,0 %
  • Brandenburg, NRW, Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen: 6,5 % (Höchster Steuersatz)

Beim gleichen Kaufpreis von 250.000 € zahlen Sie in Bayern 8.750 € Grunderwerbsteuer, in NRW 16.250 € – eine Differenz von 7.500 €, die aus Eigenkapital kommen muss.

Eigenkapitalquote und Zinssatz: der Zusammenhang

Je höher Ihre Eigenkapitalquote, desto günstiger ist der Zinssatz, den Ihnen die Bank anbietet. Der Beleihungsauslauf (Verhältnis Darlehen zu Immobilienwert) ist das entscheidende Kriterium:

📈 Beleihungsauslauf und typische Zinsaufschläge (Mitte 2026)

  • Unter 60 % (EK > 40 %): Bester Zinssatz, bis zu 0,5–0,8 % günstiger
  • 60–80 % (EK 20–40 %): Standardzinssatz, gute Konditionen
  • 80–90 % (EK 10–20 %): Risikoaufschlag 0,2–0,5 %, trotzdem meist finanzierbar
  • 90–100 % (EK < 10 %): Hoher Aufschlag 0,5–1,2 %, nur mit sehr guter Bonität
  • Über 100 % (keine EK): Selten, stark eingeschränkt, sehr hohe Zinsen

Was 0,5 % Zinsunterschied wirklich kostet

Bei einem Darlehen von 250.000 € über 10 Jahre bedeutet 0,5 % mehr Zins:

  • Mehrzinsbelastung: 250.000 × 0,5 % × 10 = ca. 12.500 € mehr Zinsen
  • Monatliche Mehrbelastung: ca. 104 €/Monat

Mit mehr Eigenkapital sparen Sie also nicht nur an der Zinslast, sondern auch am monatlichen Cashflow.

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Was zählt als Eigenkapital?

Nicht nur Geld auf dem Konto zählt als Eigenkapital. Banken akzeptieren auch:

💰 Was als Eigenkapital angerechnet werden kann

  • Giro-, Tages- und Festgeldguthaben
  • Wertpapiere und Fondsanteile (oft mit Abschlag von 20–30 %)
  • Bausparvertrage (ausgezahlt oder als Sicherheit)
  • Lebensversicherungen (Rückkaufwert)
  • Schenkungen und Erbschaften (mit Nachweisen)
  • Eigenleistungen beim Neubau (mit stark eingeschränkter Anerkennung)
  • Grundstück im Eigentum (als Sachwert)

Was ist das absolute Minimum an Eigenkapital?

Technisch sind 0-%-Finanzierungen (Vollfinanzierung) möglich – aber sie sind mit erheblichen Nachteilen verbunden:

  • Zinsaufschlag 0,8–1,5 % höher als bei 20 % EK
  • Geringerer Spielraum bei Wertverlust (negatives Eigenkapital möglich)
  • Höhere monatliche Rate und längere Laufzeit
  • Viele Banken lehnen Vollfinanzierungen grundsätzlich ab

Empfehlung: Mindestens 20 % Eigenkapital inklusive aller Nebenkosten. Wer unter 15 % liegt, sollte das Risiko bewusst einschätzen und einen Stress-Test für Zinsanstieg und Mietausfall durchführen.

Häufig gestellte Fragen zum Eigenkapital beim Immobilienkauf

  • Als Faustregel mindestens 20 % des Gesamtbedarfs (Kaufpreis + Nebenkosten). Die Kaufnebenkosten (8–15 % je Bundesland) sollten immer aus Eigenkapital kommen. Bei einem Kaufpreis von 300.000 € und Nebenkosten von 10 % (30.000 €) bedeutet 20 % Eigenkapital auf den Gesamtbedarf von 330.000 €: 66.000 €.
  • Ja, 100-%-Finanzierungen sind möglich, aber mit deutlich höheren Zinsen (0,8–1,5 % Aufschlag) und erheblichem Risiko. Bei Wertverlusten geraten Sie schnell in negatives Eigenkapital. Banken verlangen dann sehr gute Bonität und ein sicheres Einkommen.
  • Wertpapiere werden von Banken meist mit einem Sicherheitsabschlag von 20–30 % angesetzt, da sie schwanken. ETFs und Aktien mit breiter Streuung werden besser bewertet als Einzelaktien. Fragen Sie Ihre Bank nach deren konkreter Bewertung.
  • Die effizientesten Wege: Monatliches Sparen automatisieren (Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang), Tagesgeld statt Girokonto nutzen, Wertpapier-Sparplan für längere Zeiträume, Kosten strukturiert überprüfen und reduzieren. Pro 1.000 € mehr Sparrate pro Monat sind 12.000 € Eigenkapital pro Jahr möglich.

Fazit: Eigenkapital realistisch berechnen

Der häufigste Fehler beim Eigenkapital: Zu wenig für Nebenkosten einplanen. Wer 50.000 € Eigenkapital hat und ein Haus für 350.000 € kaufen möchte, hat nach Abzug der Nebenkosten von ca. 40.000 € nur noch 10.000 € für den Kaufpreis – das ist ein Beleihungsauslauf von über 97 %. Kalkulieren Sie immer mit dem Gesamtbedarf, nicht nur mit dem Kaufpreis.

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